Ja, ich bin wirklich aus dieser blockierenden Situation wieder raus. Auslöser war, wie es mir ab und zu geschieht, mein Mann. Dieser – ein zum Glück sehr geduldiger Mensch – guckte mich kopfschüttelnd an, als ich mal wieder aufsprang und das Fenster aufriss, das ich gerade fünf Minuten vorher zugemacht hatte, und fragte: “Sag mal, was ist los mit dir? Bei dir auf dem Schreibtisch sieht es aus wie im Krieg und du rennst rum wie ein außer Kontrolle geratenes Eichhörnchen. Setz dich mal hin und erzähle.” Erst wollte ich mich nicht hinsetzen. Hinsetzen, einfach hinsetzen und erzählen – das empfand ich in dem Moment als Zumutung. Dann habe ich es aber doch gemacht. Und das war auch gut so. Alles sprudelte aus mir raus, genau so chaotisch, wie es in mir drin aussah. Alles, was ich tun musste und tun wollte und das mich rein durch die große Menge ganz konfus machte.

Das wurde mir so richtig bewusst, als ich das alles aufzählte. Und ich merkte, dass ich deshalb nichts mehr gebacken kriegte, weil ich bei der Erledigung einer Aufgabe schon an die nächste dachte – und die nächste – und die nächste…

Ich weiß, nicht jeder hat so einen Menschen, dem er einfach alles hinklatschen kann, was ihm durch den Kopf saust. Es geht aber auch anders. Deshalb rate ich jedem, der in einer solchen Situation steckt, erst mal aufzuhören mit rumrappeln. Einhalten, durchatmen. Wenn Sie vielleicht irgendwann einmal autogenes Training gemacht und das nur “vergessen” haben, erinnern Sie sich und machen Sie eine Übung. Für die anderen empfehle ich eine einfache Atemübung. Also nicht einfach so einatmen, dass sich der Brustkorb dehnt, sondern langsam und richtig tief in den Bauch atmen. Mir half es am Anfang, dabei die Hand auf den Bauch zu legen und dagegen zu atmen. Klappt vielleicht nicht gleich, aber mit ein wenig Übung geht es schon. Konzentrieren Sie sich dabei auf das Sonnengeflecht, das ist die Region in Ihrem Körper, die zwischen dem Nabel und der Stelle liegt, wo das unterste Rippenpaar am Brustbein angewachsen ist. Atmen Sie langsam durch die Nase ein und ebenfalls durch die Nase wieder aus. Dabei können Sie entweder zählen oder z. B. ganz langsam “Ru-he” denken. Achten Sie darauf, dass sich die Bauchdecke beim Einatmen wirklich vorwölbt.

Danach gehen Sie ran: Sie schreiben alles, aber wirklich alles auf, was Sie plagt. Jede noch so kleine Aufgabe, die zu dem Berg gehört, der da vor Ihnen steht. Und dann legen Sie das Papier weg. Machen Sie für eine halbe Stunde einen Spaziergang. Stop! Ich höre es. “Die spinnt wohl, ich kann doch jetzt nicht einfach einen Spaziergang machen, wie stellt die sich das denn vor. Die hat doch keine Ahnung!” Das verstehe ich. Ich weiß, dass es schwer ist. Aber ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass es geht.

Anschließend – ich bin tatsächlich für eine halbe Stunde raus gegangen – bin ich das Blatt Papier Punkt für Punkt durchgegangen und habe danach zuerst mal einen Wochenplan gemacht. Bitte denken Sie aber daran, nicht den gesamten Tag zu verplanen. Es muss auch noch Zeit für Sie bleiben. Frei-Zeit, Zeit zur Regeneration, zum Entspannen, für Sport, Lesen oder was auch immer.

Jetzt aber zurück zum Plan: Das Wichtigste zuerst, logisch. Unterscheiden Sie dabei aber bitte zwischen Wichtigem und Dringendem. Nicht alles, was dringend ist, ist auch wichtig. Meist muss es eben nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt werden, dann haben Sie evtl. noch etwas Spielraum.

Ganz wichtig ist bei dieser Planung: Rechnen Sie für jede Aufgabe etwa 20 % mehr Zeit ein, als Sie eigentlich denken dafür zu brauchen. Und lassen Sie 20 % jedes Tages – frei. Ja, Sie haben richtig gelesen: frei lassen. Das soll dann aber nicht die persönliche Freizeit sein. Es kommt nämlich immer irgend etwas, das zusätzliche Zeit benötigt. Und dann geht es schon wieder los damit, dass Sie zu wenig Zeit haben. Das ist doch genau das, wovon wir alle die Nase voll haben, weil es uns ständig zurück wirft.

Was mir bei dieser Prozedur auch auffiel: Das eine oder andere konnte ich ohne negative Folgen einfach streichen, zwei oder drei anderen Dinge habe ich delegiert – was beim ersten Mal, wie ich zugeben muss, nicht so einfach für mich war.

Wenn der Plan für die nächste Woche fertig ist, machen Sie sich einen groben Plan für die Woche darauf. Diesen arbeiten Sie nach dem bekannten Schema am Ende der Woche aus. Auch die beiden folgenden Wochen werden so grob vorbereitet. Alles andere kommt auf die Später-erledigen-Liste. Die könnte man je nach Charakter und Temperament noch in Monate unterteilen. Ich habe sie lediglich vorläufig in 3 Spalten nach Prioritäten aufgeteilt.

So, die ersten Punkt meines Planes für heute habe ich abgearbeitet. Jetzt werde ich eine Stunde Pause machen und mich mal um meine Mutter kümmern. Und danach geht es weiter. Auch wenn es mal einen Rückfall gibt (hatte ich vorgestern ;-) ), es geht mir viel besser. Die ganzen Aufgaben liegen nicht mehr alle zusammen auf diesem fürchterlichen, chaotischen Berg, sondern sie stehen ordentlich aufgereiht da und jede einzelne wartet, bis sie dran ist und ich dann meine Aufmerksamkeit auf sie richte. So komme ich damit jetzt gut zurecht, in Gedanken immer ganz bei dem, was jetzt gerade zu tun ist.

Ach ja – eines vielleicht noch: Alle E-Mails, die mir das Neueste, Beste, Größte, Noch-nie-Dagewesene, Wichtigste etc. versprechen, werden ungelesen gelöscht. Tagesschau wurde ersatzlos gestrichen. Nachrichten über Ereignisse und Vorgänge, auf die ich keinen Einfluss habe, irgnoriere ich.

Bis in ein paar Tagen – ich wünsche allen eine schöne, entspannte und erfolgreiche Woche.

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